Ungarn
Im abgelegenen, ungarischen Eger, in einer malerischen Umgebung unter den Bergen von Bekk. Die bekannteste Belagerung der Burg von Eger war die der vereinigten Türkischen Armeen im Jahre 1552. Nur zweitausend Ungarn widerstanden mit Hilfe ihrer Frauen einer Übermacht von einhunderttausend türkischen Kriegern. Die Verteidiger wechselten die Positionen ständig, so daß die Türken sich einer viel größeren Streitmacht gegenüber glaubten. Die Verteidiger bekamen Hilfe von den legendären "Kämpfenden Weibern von Eger". Die Legende besagt, daß sie Bullenblut mit Wein vermischten, um Kraft und Kampfeslust zu steigern. 1596 griffen die Türken erneut an und eroberten diesmal die Burg, als diese nur von Söldnern bewacht wurde. Noch heute erinnert der Wein "Egri Bikaver" (Stierblut-Wein) an diese Geschichte. Das türkische Bad und die Minarette sind aus der Zeit der türkischen Besetzung erhalten geblieben. Eger ist berüchtigt für seine guten Weine und die kilometerlangen Weinkeller, die sich etwas außerhalb der Stadt befinden. Das "Tal der schönen Frauen" mit seinen vielen Weinkellern erfreut sich großer Trunksucht und bacchiantischer Abende. Hier boten uns süffisante Kellergewölbe Schatten und Erbauung. Nach einigen Fässern jungen Weins wurden wir zu rasenden Leichenbeschauern. Auf krummbeinigen Holztischen tanzten wir Pusta-Polka-Punk! Stürmten glückselig den brodelnden Gulaschtopf einer japanischen Reisegruppe. Wir waren jung und stark und schön! Wir kamen mit Fellen und langen Jacken, lallten über History and Poesy, Gulasch, die Freiheit des Ostblocks, Fernweh und Weltensehnsucht. Und die süffisanten Götter des Weins. Die Krumen des Anbaus. Die Verheißungen der Fluchten. Der heiße Gulasch brodelte zeitlos, die Japaner überhäuften uns mit fernöstlichen Weisheiten. Für sie waren wir hier die Fremden. Als könnten die Rat geben oder helfen. Wir aber kamen aus dem ganz nahen Osten. Bacchus vermittelte unschuldig und wissend, als wir zum Tokajier tanzen. Die ungarische Polizei wollte irgendwie dabei sein und würzte ganz unsentimental mit Tränengas nach. Wir heulten gottlos. Tränen aus Wein und falschen, hoffnungsvollen Versprechen. Der kommende Tag war Mittelalter.
R. Galenza