Thailand

Harmonie in Siam, dem wundersamen Land des weißen Elefanten, von lieblichem Zauberlicht umflossen. In der Ferne leuchten die vergoldeten Türme und Kuppeln der Pagoden und Tempel der Hauptstadt Bangkok im Purpurglanz der untergehenden Tropensonne empor. Buddha-Studium unterm Bodhi-Baum. Unzählige enthauptete Buddha-Statuen in Atthuthya. Wir gingen den mittleren Weg einer Philosophie oder Weisheitslehre, welche auf den Überlieferungen von Siddhartha Gautama beruht. Der Erkenntnis des Weges, welcher zur Leidensauflösung führt: "dieser heilige achtfältige Weg ist es, nämlich: rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechte Tat, rechter Lebenserwerb, rechte Anstrengung, rechte Achtsamkeit, rechte Sammlung."

Buddha war weder ein Gott noch der Überbringer einer göttlichen Wahrheit, sondern stellte klar, daß er die Lehre, d. h. den Dhamma nicht aufgrund göttlicher Offenbarung erhielt, sondern daß er vielmehr ein Verständnis der Natur des eigenen Geistes erlangte, welches durch jedermann für sich selbst wieder entdeckt werden könnte, wenn er den dem achtfachen Pfad folge. Zu den buddhistischen Überzeugungen gehört u. a. die Reinkarnation und das Gesetz des Karma. Buddha selbst hat jedoch keine metaphysischen Aussagen, z. B. über das, was nach dem Tode passiert, gemacht. Buddhisten sind wahrscheinlich die tolerantesten Gläubigen der Welt. Buddhismus konkurriert nicht mit anderen Religion auf der Welt, denn er verbietet seinen Gläubigen nicht, gleichzeitig irgendeiner anderen Religion anzuhängen. Der Grund ist, daß er im Grunde eine gottlose Religion ist. Er stellt sich über jegliches Gott-Verständnis - Gottheiten anderer Religionen werden als Bestandteil der diesseitigen Welt aufgefaßt. Die jenseitige Welt des Buddhismus, das Nirwana, steht über jeglicher Gottheit, und nach buddhistischem Verständnis unterliegen Gottheiten genauso den Erkenntnissen des Buddha wie jeder Mensch. Das Nirwana ist jenseits von Gut und Böse, während die Gottheiten anderer Religionen immer stets die gute Kraft verkörpern und deshalb diesseits von Gut und Böse sind.

Die Sonne läßt sich feuerrot in die Fluten fallen. Die Fünf Finger Islands glänzen still und erhaben. Ein Thai, der die Sun Moon-Bar weiter hinten betreibt, verrät uns auch den Thai-Namen der Steine im Meer: Koh Pao. Die Winde hatten uns nach Thailand geführt, Koh Lanta. Entdecken die Bar neben unserem Palmen-Resort, von der aus man eine grandiose Felsformation weit draußen im Meer sehen kann - die Five Finger Islands. Denn da recken sich tatsächlich fünf steile Klippen aus dem Ozean. Erleben hier einen sagenhaften, unglaublichen Sonnenuntergang!! Alles färbt sich imposant vollgelb, die Felsen im Meer beginnen zu tanzen und beben wie das okkulte Stongehenge. Irre, irisierende Farben! Eine riesige Uran-Sonne küßt das Meer in gelb und orange und versinkt lässig wie ein wissender Feuerball. Mindestens zehntausend Jahre alt. Wir verbrannten im Irrlicht neuer Erkenntnisse. Danach leuchtet der Himmel blutrot und dann verstörend lila. Unfaßbar groß und begeisternd. Alles verwirrend bunt und blendend. Das alles als rauschender, euphorischer Drogentrip ohne Schmerzen. Kein Turkey, nur Offenbarung. Ein narrativer, buddhistischer Gottesbeweis. Du kannst überall Liebe finden. Wir erwachten in unendlichem Wissen. Eine absolut berauschende Erkenntnis. Alles ist immer, so wie es ist. Erkenne das. Lobpreisungen aller Art, neue Dimensionen. Darauf erst mal neue Stimulanzen und Räusche. Es ging um erbarmungslose Hitze und Visionen. Wir verdarben uns die Augen in den Dämonen der Erleuchtung. Alles wurde ewig. Strand. Sand. Wärme. Licht. Sterne. Geborgenheit, ungewiß. Goldenes Licht, wir badeten hemmungslos in Kupfer. Wenn du die Liebe siehst, sag ihr, wir sind irgendwo da draußen. Erhabene Räusche. Wir strahlten vor Erleuchtung, glänzten still. Eine imaginäre Sammlung unsterblicher, erleuchteter Stunden. Unwiederbringlich schön.

Buddhistische Mönche, in strahlendem Orange reisen auf Schnellbooten übers Wasser. In Königsbarken überquerten wir über den großen Fluß hinein in die Klongs von Thonburri. Langsam gleiten wir den breiten majestätischen Strom hinab, vorbei an schwerfälligen chinesischen Dschunken und schlank gebauten siamesischen Hausbooten, an kleinen zierlichen Fischernachen und an grotesken schwimmenden Häusern, von denen einzigartig faszinierende Musikklänge herübertönen. Smaragdgrüne Lichter tanzen auf den Wellen des Chayopraya, geheimnisvoll flüstern die fauligen Wasser. Die Bewohner der schwimmenden Häuser und Hausboote haben kunstvolle Altärchen errichtet, auf denen bronzevergoldete Buddhafiguren, brennende Wachskerzen, die herrlichsten Blumen und auserlesensten Früchte aufgebaut sind, um ihrem siamesischen Buddha zu huldigen. Ein phantastisches, schwimmendes Theater. In der sternenklaren Tropennacht summen melancholisch klagend die Gongs aus den stolzen Wats.

R. Galenza