Portugal

Wir gerieten ans Ende von Europa, wo das Meer beginnt. Portugal. Auf dem letzten windigen Kap gab Heinrich der Seefahrer die Regeln der Schiffahrtskunde weiter. Ein verlorene weiße Kirche, die schlichte Kapelle Nossa Senhora da Graca aus dem 16. Jahrhundert, schlägt dort das letzte Stündlein. Heinrich der Infant von Portugal oder auch der Navigator, der Kursfinder führte den überlegenen Schiffstyp der Karavelle ein. Seinen Kapitänen gelang es, über Kap Verde hinaus nach Süden vorzudringen. Sie stellten dabei fest, daß in den Tropen die Sonne auch von Norden scheinen kann und entdeckten am Himmel das Kreuz des Südens! Das "Ende der Welt" am Cabo de Sao Vincente wird schon bei griechischen Historikern erwähnt, die Römer nannten das Gebiet Promontorium Sacrum (= Heiliges Vorgebirge) und stellten sich vor, daß an dieser Stelle die Götter lebten. Der Legende nach soll der Leichnam des heiligen Vinzenz, der 304 verstorben ist, in einem Boot von Raben bewacht, hier gestrandet sein. Seinen Namen trägt das Kap aufgrund dieser Überlieferung. In südwestlicher Richtung ragt ein Felsen aus dem Meer, der "Gigant". Auch er ist sagenumwoben : es ist der Finger des heiligen Vinzenz, den er bei dem Versuch, ein Stück vom Festland abzubrechen, verloren hat. Der Wind ging, wir gingen mit und huldigten mit spirituellen Getränken den Göttern und Seefahrern aller Zeiten.

R. Galenza