Moldawien
Uns weckte Flötenspiel. Mitten in Moldawien. Die Sonne wärmte unser billiges Zelt und von fern wehten deutsche Volksweisen herüber. In Jesus-Latschen erkundeten wir die rumänischen Berge. Auf der Suche nach dem filigranen Flötisten, entdeckten wir einen alten, bärtigen Mann, der auf dem Boden einer kleinen Feldkirche lag. Tief versunken betrachtete er die gottvolle Deckenmalerei. Eine sehr runzlige Frau samt ihrer bestrumpfhosten Enkelin reichten uns frisch gemolkene Ziegenmilch. Hier wird vor unsagbarer Armut die Milch vor der Zeit und vor Gott sauer. Zu Fuß durch Moldawien, zwischen Siebenbürgen und der Walachei. Ein schönes Land, in dem sie ihre Köster farbenprächtig von außen bemalt haben. Voronez, Moldoviza, Suceviza, Humor, Putna. Die bunte Klosterkette , die ihr Entstehen im 15. und 16. Jahrhundert zumeist Stiftungen Stephan des Großen verdankt, ist in der ganze Welt ohne Beispiel. Die Besonderheit dieser orthodoxen Klöster sind die farbfrohen Außenfresken. Sie rühren vermutlich von der mittelalterlichen Sitte dieser Gegend her, an Feiertagen die ganze Bevölkerung um den Fürsten oder Feudalherren zu scharen. Dabei blieb ein großer Teil der Bauern außerhalb der räumlich beengten Kirchen, und so kam man auf den Gedanken, auch die Außenwände der Kirchen mit Heiligenbildern zu schmücken "Biblia pauperum". Später, auf dem Weg ins Delta, lasen uns drei beleibte Nonnen auf. Freundlich schmetterten sie die ganze Fahrt lang euphorisch-religiöse Lieder. Bei Abschied wurden sie dann grob und drastisch. Wir zahlten bar in Flüchen.
R. Galenza