Die Schätzung

Ich kann mir kein genaues Bild machen. Wo soll man mit den Schätzungen ansetzen? Hunderttausende, Millionen, Millarden, Billiarden? In welchen Regionen soll man diese Zahl ansiedeln? Denn es kommt dabei auf Differenzen an. Große, kleine, etwas mehr oder weniger? Man kann sich die Sache auch nicht allzu leicht machen. Denn es ist von eminenter Wichtigkeit, diese Zahl genau zu bestimmen! Denn hängen damit nicht viele andere brisante Bedeutungen und Berechnungen zusammen? Das will alles berücksichtigt sein; vieles fließt ein. Nichts kann einfach unterschlagen werden. Die Sache ist zu ernst. Damit darf kein Schindluder getrieben werden. Weiß Gott nicht. Darauf müssen wir achten, jeder an seinem Platz. Ausflüchte, Ausreden sind nicht zu gelassen. Schon die Tendenz dahin wäre schändlich. Das Ergebnis verheerend.

Aber wer will schon zurück stehen in dieser großartigen Angelegenheit? Ziehen nicht alle an demselben Tau? Da muß man schon mal zurückstecken können. Freiwillig wohlgemerkt. Kleine Opfer muß da schon jeder einbringen. Dabei sollte sich niemand zu schade sein. Hierbei zählen keine Nichtig- und Kleinigkeiten. Es dürfen keineswegs Mängel auftreten oder gar Fehler. Gar nicht auszudenken. Nicht auszumalen. Schreckendserregend. Das muß um jeden Preis vermieden werden. Auf Kosten aller. Wer wollte sich da schon heraushalten?

Zumal die Zahl im öffentlichen Interesse steht. Allernorts riesengroße Aufmerksamkeit, ja, allegemeine Aufregungen derethalben. Von allen Seiten großer Zuspruch, schier ungeheuerlich. Spannung allethalben. Ständige Anfragen, Berichte, Aufgeregtheiten. Immer neue Möglichkeiten und Erwägungen lösen einander ab. Niemand wagt schon eine abschließende Bewertung. Das wäre übereilt, ja überstürzt. Noch überschlägt sich ja alles. Erste Stimmen warnen schon, Zweifel werden laut. Wenn auch verhalten noch. Vor Überschätzung und Hast wird gewarnt. Wer soll die Verantwortung übernehmen? Sind nicht einige schon jetzt arg überfordert? Viele stehen dem Verlauf der Entwicklung völlig hilflos und überrannt gegenüber. Übereifrige Entscheidungen können die Angelegenheit auf Jahre zurückwerfen, ja vollkommen und endgültig zum Stillstand bringen. Alles verkompliziert sich zusehends. Abstriche sind nicht mehr möglich, die Eminenz ist schon zu erheblich. Das ist ein Gebot der Zeit, denn niemand kann sich ein genaues Bild machen.

r. galenza 07.12.1982