Der Undank

Blanke Hohn das alles! Barer Unfug, was die Leute sich da erzählen. Seit Tagen nun schon. Und was sie alles zu berichten wissen. Immer neue Versionen tauchen auf, ständig werden andere Hypothesen aufgestellt. Ohne jede reale Grundlage. Immer frisch drauflos! Und, so behaupten sie ganz offen und unverblümt, sich sei schuld an diesem ganzen Wirrwarr. Purer Unsinn. Reine Infamie. Ich, gerade ich, soll der Schuldige sein? Ha, unglaublich. Wo doch ich es war, der sich seit Wochen bemüht hat, den jetzigen Zustand zu verhindern. Ja, die ganze unsägliche Entwicklung zu verhindern. Der Dank? Jetzt bin ich das schwarze Schaf. Natürlich. Reiner Undank! Was habe ich nicht alles gepredigt, erklärt, verhandelt, lanciert. Alles vergebens. Damals wollte ja überhaupt niemand etwas von der ganzen leidigen Sache wissen. Nein, das ginge sie nichts an, das sei nicht ihr Problem, da sollen sich mal andere kümmern. Einfach die Augen verschlossen haben die Leute; bloß nichts sehen, nichts hören. Nun ist das Malheur passiert und ganz plötzlich haben mit einem mal eine Meinung. Jeder weiß plötzlich etwas zu sagen und zu beanstanden. Alle haben das Schreckliche natürlich längst geahnt und lange kommen sehen. Jeder hat aus Leibeskräften dagegen angekämpft, aber es hat ja nichts genützt. Denn ich, ich habe es wissentlich und vor aller Augen offen hintertrieben. So mußte es ja eines Tages passieren. Nun ist der Schaden da und der Schuldige steht für sie auch längst fest: ich! Aber so einfach ist das nun doch nicht. Da werden sich noch einige dieser schlauen Besserwisser tüchtig wundern. Diese Frage ist noch lange nicht aus der Welt, da gibt es noch einiges zu sagen. Und bestimmt nicht zum Besten dieser Herrschaften. Das wollen wir doch erst mal sehen.

r. galenza